Summer Dreaming
Wohnheim-Wochenende

Am Freitag abend war ich deswegen zur Geburtstagsfeier von Jo eingeladen, einem Camerouner, der fast so gut Deutsch spricht, wie ich. Ich wusste, dass er unser gesamtes Gebäude C eingeladen hatte und bereitete mich auf das Megaevent des Jahres vor.

 

Als ich in Jogginghose gegen 19h in Richtung Küche watschelte, begegnete ich Momo. Er würde nicht zum Geburtstag kommen, weil er in ein anderes Zimmer umziehe. Auf der Treppe traf ich Said. Er könne nicht kommen, weil… er sich gerade heißen Tee gemacht hätte und er sagte, dass auch Edmond, sein Nachbar, nicht kommen könnte, weil er ausgegangen sei.

 

Egal, dachte ich mir, und stiefelte weiter. In der Küche befand ich mich plötzlich in Cameroun. Von allen Menschen, die Jo eingeladen hatte, waren nur seine camerounischen Freunde und meine Wenigkeit erschienen. Mit Argusaugen wurde ich von den weiblichen Anwesenden beobachtet, als Jo mich einlud, mit ihm Beignets zu backen, windbeutelähnliche Fettbomben, deren Teig man auf eine bestimme Art kneten muss, um die daraufhin geformten Bulletten in heißes Fett zu legen.

 

Nach einigen Stunden erhielt ich eine Sms meiner Erasmus Kollegin Anna. Party in ihrem Zimmer. Gesagt getan. Immer noch in Trainingsanzug (in dem ich selbstverständlich in meinem ganzen Leben noch nie etwas anderes als meine Geschmacksnerven trainiert habe) ging ich zur nächsten Party, lud jedoch die gesamte Belegschaft in die Küche ein und brachte so die beiden Partys zusammen.

 

Meine Erasmus Party Gäste kamen vor allem bei den männlichen Camerounern gut an und schon schnappten sie sich die beiden polnischen Annas, um mit ihnen die Tanzfläche unsicher zu machen und einen nicht ganz jugendfreien Zouk zu tanzen, ein Tanz, der auch in Senegal getanzt wird und bei dem es scheinbar vor allem darum geht, seinen Partner möglichst nah an sich zu drücken und heiß zu machen. Besonders eine der Annas war ein gefragter Tanzpartner, erst Recht, nachdem sie allen Anwesenden erklärt hatte, in Polen sei sie eine Danceuse – zu deutsch Stripperin – wobei sie eigentlich nur sagen wollte, dass sie seit Jahren Tanzunterricht nimmt.

 

Auch ich war sehr gefragt, besonders bei Jo, der mich bat, doch nach der Party noch mit ihm auszugehen. Gern – aber beim nächsten Mal.

 

Am Samstag schlief ich zunächst einmal aus. Zusammen mit Abass kochte ich lecker Nudeln und machte gegen 16h eine Siesta, um für die Geburtstagsparty am Abend fit zu sein. Julien, ein Kommilitone, hatte mich zum Geburtstag einer Freundin eingeladen. Warum? Weil er mich gern dabei haben wollte. Na denn man Tau.

 

Die „Party“ entpuppte sich schließlich mehr als gemütliches Zusammensitzen und Restaurantbesuch, den ich mit meinen restlichen 12 Euro bezahlte. Als einzige Ausländerin war ich der Hit und konnte jede Menge tolle Witze reißen, indem ich Julien verschiedene Begriffe erklären ließ, die ich angeblich nicht verstand, darunter das Wort Masturbation und Mumu, das hier auch Schnecke heißt. Einer der Anwesenden erklärte warum: Weil das weibliche Geschlechtsorgan ganz offensichtlich die Form einer Schnecke hätte und auch so ähnlich schmecke. Seine Freundin, die neben ihm saß, wurde dabei etwas rot.

 

Gegen 2.30h verließ ich die Party und hinterließ einen etwas traurigen Julien, der sich vorgenommen hatte, mich ganz bis nach Hause zu begleiten (um wohl möglich die Gelegenheit beim Schopfe zu packen?).

 

Sonntag abend fand dann endlich mein zweiter Arabischkurs bei meinem Lieblingsnachbarn Said an. Geduldig klärt er mich seit etwa fünf Tagen über die Geheimnisse der arabischen Sprache auf und verzweifelt fast an meiner okzidentalischen Schreibweise von links nach rechts und schlägt jedes Mal gegen meinen Stift, wenn ich ihn links ansetze.

 

Immerhin meinen Namen kann ich nun schon schreiben. Als ich also in wunderschönem, klassischem Arabisch Alena schrieb, war ich ganz entzückt von mir – genau wie Said, der sagte: „Ja, dieser Name ist so schön wie du!“.

2.2.10 19:18
 


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