Summer Dreaming
Nudeln

Auf wie viele Arten kann man Nudeln essen?

 

Ich finde es gerade heraus und bin im Wohnheim schon bekannt als Nudelmeister, denn immer, wenn ich Jo, Said, Adrien, Hakim oder eins der Erasmus-Mädels treffe, bin ich gerade auf dem Weg in die Küche zum – na was wohl? – Nudeln kochen.

 

Doch auch ich habe schon Spitznamen, zumindest für die männlichen Vertreter meiner neuen Freunde.

 

So zum Beispiel nenne ich Adrien liebenswürdig Monsieur Culotte, Herr Unterhose. Vor knapp zwei Wochen traf ich ihn bei eisigen Minusgraden in der Küche – in Unterhose. Seitdem erwähnt er immer wieder gern, dass er zeigt, was er hat.

 

Said hingegen nenne ich auch liebevoll Monsieur Said, weil ich bis gestern dachte, es gebe ein Buch mit Titel "Monsieur Said et les Fleurs du Coran". Leider musste ich feststellen, dass es in besagtem Buch nicht um Monsieur Said, sondern um Monsieur Ibrahim geht und dass Monsieur Said der Epicier aus der Rue Daguerre in meinen Französisch-Schulbüchern war. Besonders Said lasse ich weiterhin in dem Glauben, er sei die literarische Hauptfigur eines wunderschönen französischsprachigen Romans als ihm zu beichten, dass sein Name in deutschen Schulbüchern die Stereotypisierung aller arabischen Kleinhändler darstellt.

 

Jo ist ein Sonderfall. Er hat keinen richtigen Spitznamen, doch eine Assoziation, die ich immer wieder gern mit ihm verbinde. In seinem Zimmer riecht es aus unerfindlichen Gründen nach nassem Hund – er ist demnach der Chien Mouillé, ein Name, um den ihn keiner behandelt.

 

Auch Hakim hat auf Grund seines Zimmers seinen Spitznamen erhalten. Stolz erzählte er mir bei unserer ersten Begegnung von seiner deutschen Freundin, die genau wie ich Erasmus Studentin war und nach fünf Monaten im siebten Himmel unter Tränen wieder zurück nach Potsdam musste. Sein Zimmer ist deutscher, als ein Oktoberfestzelt. Bierdeckel aus Heidelberg, Tassen aus Berlin, Magnetpins in Form von kleinen kölnischen Doms, ein Stück Mauer, ein VW Käfer aus Plastik. Hakim ist deswegen der Deutsche und wohl gemerkt der einzige, mit dem ich neben Christina gern Kontakt pflege.

 

Als ich ihn heute im Flur antraf, erzählte er mir, dass er nach einem Gespräch mit mir die Welt jetzt klarer sehe: Eine Fernbeziehung mache einfach keinen Sinn und funktioniere einfach nicht. Er mache heute abend mit Jana Schluss. Upps.

 

Doch nicht nur ich gebe Spitznamen. Auf der Suche nach Anna, einer Polin mit reichlich Holz vor der Hütte, begegnete ich Monsieur Culotte in der Küche und fragte ihn, ob er zufällig wisse, in welchem Zimmer sie wohne. „Welche Anna meinst du“, fragte er mich. „Die mit den Brüsten?“

 

Als hätte ich keine.

7.2.10 15:40
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


gisele buendchen (12.2.10 17:11)
liebste alena,
wie geil ist das denn bitte!? ich lach mich tot! uebrigens wuesche ich mir schon fast, die tote super nanny zu sein, um auch so eine seite zu haben. geil...

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