Summer Dreaming
Lieber nicht mit mir


Rassismus von Auslaendern gegenueber Auslaendern.
 
Eigentlich habe ich daran bisher nicht geglaubt sondern immer gedacht, dass Auslaender im Ausland in einem Boot sitzen (manche sitzen schon auf dem Weg ins Ausland in einem Boot). Gestern habe ich das Gegenteil erlebt.

Seit einiger Zeit verstehe ich mich gut mit Abass. Er ist Mitglied der Erasmus Studenten Organisation und hat mir geholfen, ein Bankkonto zu eroeffnen, mein Zimmer zu mieten und mir den Weg zum heiligen Land gewiesen, Aldi und Lidl. Abass kuemmert sich tatsaechlich besonders gut um mich und wer weiss, was noch daraus wird.

In der letzten Woche war er besonders abends bei mir anzutreffen - zum gemeinsamen Filme gucken, um mancher einers Fantasie direkt den Naehrboden zu nehmen.

Sonntag mittag traf ich Hakim auf dem Flur und er luf mich zu einem Tee ein. Ich sagte zu und antwortete auf die Frage, was ich getan haette, wenn er mich am Freitag  gekuesst haette, dass ich wahrscheinlich gegangen waere, weil ich ueberhaupt nicht von ihm gekuesst werden will. Er fragte mich also, ob es wegen Abass waere und ich sagte ihm, allein, damit ich mich nicht mehr rechtfertigen musste, "ja, vielleicht".

Ich ging zurueck in mein Zimmer und alles war mehr oder weniger gut.

Gestern, nach der Uni, nahm ich den Bus. Ich sah Hakim hinten sitzen zusammen mit Abdel, dem fremdgehenden Moechtegern Psychologen und entschied mich, doch lieber vorn stehen zu bleiben. Da hoerte ich Karolinas Stimme von hinten und drehte mich um und schon winkte sie mich zu sich - und meinen lieblings Marokkanern, bei denen sie stand.

Ich sagte "Salut" und hoerte zu, was die anderen erzaehlten, als Abass einstieg und mir von hinten kommend den Arm um die Schultern legte. Ich sagte ihm hallo und wir redeten, als Abdel sich ploetzlich zwischen uns stellte und sagte "Alena, ich glaube du hast uns noch nicht vorgestellt". Ich stellte alle ueberfluessigerweise vor, denn natuerlich kannten sie sich schon, und Abdel fragte Abass, wo er denn herkomme.

"Senegal", sagte Abass. "Aah, Dakar", sagte Abdel herablassend. "Ich komme aus Marokko. Ich hoffe du weisst, dass Marokko das schoenste Land in Afrika ist. Es gab eine Abstimming". "Abass antwortete, nicht mal ironisch: "Ich habe gehoert, dass es ein schoenes Land sein soll", und Abdel sagte etwas auf arabisch zu Hakim.

Als wir ausstiegen, liess ich die anderen vorgehen und trottete mit Abass hinterher. Da wir am Abend ein Deutsches Dinner mit geladenen Gaesten geplant hatten, wollte er sich noch kurz umziehen und mir danach bei der Vorbereitung der Frikadellen helfen. Er bog also ab, waehrend wir anderen weiter zu unserem Gebaeude gingen. Obwohl ich keine Lust hatte, mit den anderen zu plaudern, wartete Abdel auf mich und fragte provozierend, wie es wohl waere, wenn eine Deutsche und ein Schwarzer miteinander schliefen. Ich antwortete: "Il parait que c'est beau"; ich habe gehoert, es sei schoen, und er hielt mich am Arm fest und antwortete "Il PARAIT que c'est beau? Non, c'est SUR que c'est dégeulasse!"; du hast gehoert es sei schoen? Nein, es ist sicher, dass es ekelerregend ist!, und er liess mich in voller Breite an seinen Gedanken teilhaben und erklaerte mir, warum er als Frau niemals mit einem Schwarzen schlafen wuerde.

Ich wusste nicht, was ich zuerst tun sollte: Ihn wuergen, ihn anschreien, ihn anspucken, seinen Kopf gegen Wand schlagen und sein Gehirn in der Pfanne braten,... Die Entscheidung war so schwer, dass ich gar nichts sagte und Abdel vorerst seinen Siegeszug davon tragen liess.

Ich war so wuetend und geschockt, dass mir fast die Traenen kamen und ich konnte wirklich nicht verstehen, was los war. Wollte er mich provozieren, weil ich ihm am Freitag eine mehr als deutliche Abfuhr gegegeben hatte? Oder weil ich Hakim eine Abfuhr gegeben hatte? Wollte er Abass beleidigen? Oder mich? Oder Deutsche und Schwarze? Ich verstand die Welt nicht mehr.

Wie auch immer, nicht mit mir, sagte ich mir. Mein Schlachtplan stand fest und ich wartete, bis Abass bei mir war, um ihn vorzubereiten: "Ich werde spaeter wahrscheinlich etwas sehr fieses zu Abdel sagen". Ohne, dass ich auch nur das geringste gesagt hatte, wusste er schon, dass Abdel irgendwas ueber ihn und mich gesagt haben musste und haette es am liebsten aus mir rausgeschuettelt - waere er ein Psychopath wie Abdel.

Etwa eine Stunde spaeter sassen wir zu zehnt in der Kueche und genossen unseren Kartoffelsalat und unsere Buletten, als Abdel reinkam und fragte, ob er noch immer eingeladen sei. "Klar", sagte ich, und ich merkte schon, wie meine Stimme zitterte, "setz dich doch, vielleicht koennen wir unsere Diskussion von vorhin fortsetzen, denn ich wuerde gern wissen, was die anderen davon halten". Abdel grinste und sagte, er wisse gar nicht mehr, worum es vorhin ging. "Komisch, dabei haben wir doch den ganzen Rueckweg geplaudert.", sagte ich und alle hoerten zu. "Abdel ist naemlich der Meinung, dass es ekelerregend sei, wenn eine Deutsche und ein Schwarzer mieinander schlafen".

WUSCH.

22 Augen auf Alena, 22 Augen auf Abdel, 22 Augen auf Abass und Jo, die am Tisch sassen.

"Alena, ich glaub du hast das falsch verstanden, du musst einfach mal besser Franzoesisch lernen", versuchte Abdel sich herauszureden.

"Abdel, ich glaube die Woerter "noir", "allemande" und "dégeulasse" kann ich gerade noch entziffern", antwortete ich zitternd vor Wut.

"Hey Leute, glaubt das nicht, was sie sagt, das denkt sie sich aus, sie luegt," sagte er ziemlich wnig ueberzeugend, "Jo, Abass, ich habe nichts gegen euch".

Auf die anderen zehn war Verlass und ihre Reaktion war genau so, wie ich sie mir gewuenscht hatte: sie waren geschockt und redeten wie wild durcheinander und sagte, das kann ja wohl nicht wahr sein und fragten Abdel, was er sich denn dabei gedacht haette. "Das war ja nur Spass", versuchte er zu erklaeren - aber keiner lachte, nur ich, ganz still in mich hinein, auch wenn ich damit wohl nun mindestens einen FReund weniger in meinem Wohnheim habe - auf den ich allerdings gut verzichten kann.
16.2.10 13:33
 


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