Summer Dreaming
Islamic Finder

Das Tür-an-Tür Leben mit streng gläubigen Moslems führt ab und an zu heftigen Diskussionen über Männer und Frauen.

 

So musste ich in den letzten Tagen öfter mit Said und Hakim debattieren, um sie – vergebens – zu überzeugen, dass Frauen dieselben Rechte haben sollten wie Männer.

 

Said sagte, er würde nicht wollen, dass eine seiner Frauen arbeite. Eine Frau gehöre ins Haus, wo sie auf die sieben bis neun Kinder aufpassen und den Haushalt schmeißten müsse Warum? Weil Kinder ihre Mutter brauchen, weil Frauen gut kochen können – und, weil sie zu dumm sind, eine andere Tätigkeit auszuüben. Zitatende.

 

Als Vollblutfeministin bin ich, wie sich wohl jeder lebhaft vorstellen kann, auf die Barikaden gegangen und versuchte, meinen Nachbarn klar zu machen, dass Frauen ganz und gar nicht dümmer sind als Männer, sondern mindestens genauso intelligent.

 

„Ach ja? Guck dir doch mal an die Geschichte an. Fast alle Erfindungen in der Vergangenheit wurden von Männern gemacht!“, sprach Said weise. Außerdem hätten Wissenschaftler festgestellt, dass die Gehirne von Frauen viel kleiner wären, als die von Männern, außerdem wären Frauen an sich schon sehr viel schwächer als Männer und außerdem solle eine Frau nicht arbeiten, sondern ihrem Mann Kinder gebären und Respekt zollen.

 

Bei so gut gewählten Argumenten ist es selbst für eine rhetorische Fronnatur wie mich nicht möglich, den anderen von meiner Meinung zu überzeugen und so ließ ich es lieber bleiben und trat Said in Gedanken kräftigin den Hintern.

 

Im Grunde genommen ging es um eine Kleinigkeit: Hakim hatte ein Video einer Marokkanerin auf sein Facebook Profil geladen, die etwas leicht bekleidet orientalisch tanzte. Leicht bekleidet bedeutet in diesem Fall, dass sie ein stinknormales Kleid trug, dass ihr immerhin bis zu den Knien reichte. Klar, in Marokko ist es heiß.

 

Hakim nannte sie eine Prostituierte. Ganz klar, denn wer so tanzt und sich dabei auch noch filmen lässt, kann ja nicht anders, als auch mit Männern für Geld zu schlafen. Dieses Mädchen habe ganz offensichtlich allen Respekt vor sich und der Welt verloren und kein ehrenwerter Marokkaner würde sie auch nur mit dem Hinterkopf angucken.

 

Trotzdem konnte Hakim nicht widerstehen, mir zu erklären, wie extrem sexy und unglaublich hübsch er die kleine Tänzerin fand. Ja, auch er würde gerne mal mit ihr „tanzen“, wenn sie doch nur keine Nutte wäre.

 

Überhaupt verstehe er nicht, warum man sich als Frau prostituieren müsse. Schließlich hätte man ja die Wahl, auch einen anderen Beruf zu wählen. Zum Beispiel eben den der Mutter. Oder der Hausfrau. Oder der Köchin. Oder der Zweitfrau. Oder der Drittfrau.

 

Wer ins älteste Gewerbe der Welt einsteige, tue dies freiwillig. Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen? Was war zuerst da, die Prostituierte oder der Freier?

 

Eine unbestrittene Wahrheit für Hakim ist, dass die Nachfrage durch das Angebot entstanden ist. Irgendwann einmal entschloss sich eine Frau, sich zu prostituieren. Auf diese Idee ist sie ganz allein gekommen, denn ein Mann könnte sich so etwas niemals ausdenken. Warum? Er hat schließlich seine Ehefrauen, mit denen er immer dann schlafen kann, wenn er möchte.

 

„Was, wenn die Frau mal nicht möchte?“, fragte ich.

 

„Warum sollte eine Frau nicht mit ihrem Ehemann schlafen wollen?“, fragten Hakim und Said verständnislos und wie aus einem Mund. Ja, warum sollte sie nicht wollen? Schließlich wurde sie allein dafür geschaffen. Das hatte ich tatsächlich vergessen – aber mein Gehirn ist ja auch nicht besonders groß.

 

Dennoch sollte ich erwähnen, dass bei Nacht nicht alle Katzen grau sind: Abass erklärte, er würde seiner Frau was erzählen, wenn die glauben würde, nicht arbeiten gehen zu wollen. Aber er würde selbstverständlich auch nie eine Frau heiraten wollen, die nicht mindestens so klug wäre wie er oder gar eine Frau, die sich damit zufrieden geben würde, ihr Leben lang in der Küche zu stehen und zu putzen. Mit so einer Frau könne er ja nicht über Politik und die Welt diskutieren und von so einer Ehe könne ja wohl keine der beiden Seiten profitieren. Ja, da schlägt mein weibliches Amnesty Herz in höchsten Tönen.

 

Abass scheint tatsächlich ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass sich keine Religion dem Fortschritt entziehen kann:

 

Zur Gebetszeit ruft ihn der IslamicFinder, ein virtueller Imam vom Laptop aus. Damit er schnell die richtige Gebetsrichtung einschlagen kann – man weiß ja nicht immer, wo Mekka liegt – wirft er schnell einen Blick auf seinen in seinem Gebetsteppich integrierten LED-Kompass.

26.3.10 11:54
 


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