Summer Dreaming
Traurige Bilanz

Mal wieder ist es mir einfach nicht möglich, meinen Blog mit sinnvollem – je noch nicht mal mit wenig sinnvollem – zu füllen. Mein Erasmusaufenthalt gibt einfach nicht die Geschichten her, die ich erwartet hatte.

 

Bevor ich ins aufregende Metz fuhr, weckte man in mir große Erwartungen. Erfahrene Austauschstudenten erzählten mir: „Ein Erasmusaufenthalt ist das tollste und beste, was ich in meinem ganzen Leben gemacht habe.“

 

Schon nach zwei Wochen stellte ich fest, dass mein Austausch nicht das tollste und beste sein würde, was ich je erlebt habe und ich kam ins Grübeln, warum.

 

Zu Beginn dachte ich, ich wäre einfach nicht kommunikativ genug. Ich versuchte, mit allen Menschen ins Gespräch zu kommen, jeden, der mir über den Weg lief zu zubretzeln, bloß viele Freunde zu finden, mit denen ich die wunderbarste Zeit meines Lebens verbringen könnte.

 

Pustekuchen.

 

Aus irgendeinem Grund blieben bis jetzt so gut wie alle Gespräche oberflächlich: „Das Wetter ist so schön.“ „Ich spiel gern Fußball.“ „Mein Internet funktioniert nicht.“ „Ich schreibe morgen eine Klausur.“ Interessant.

 

Ich versuchte also, den Menschen um mich herum tiefer greifende Fragen zu stellen. Religion. Politik. Essen. Und stiftete nur Streit.

 

Nach drei Monaten Erasmus habe ich nun so viele Vorurteile gegen andere Nationalitäten und Kulturen entwickelt, wie noch nie und schäme mich richtig während alle anderen sich hier scheinbar prächtig zu amüsieren scheinen.

 

Zino und Lucie zum Beispiel, der Marokkaner und die Tschechin, die alles, aber auch alles zusammen unternehmen. Mir sagt Zino nicht mal mehr hallo und er glaubt, mir damit einen besonders großen Schaden zuzufügen. Ich genieße seine Ignoranz, denn wenn es jemanden gibt, mit dem ich absolut nichts zu besprechen habe, ist es wohl Zino. Leider gehört auch Lucie zu diesen Menschen, auch wenn das nicht heißen soll, dass ich sie nicht mag: Wenn wir uns begegnen, sagen wir hallo, bleiben stehen, schweigen uns peinlich an und ich sage dann meistens: „ich muss leider weiter“. Umso mehr wundert es mich, wie es möglich sein konnte, dass Zino und Lucie zueinander finden und ich stelle mir gern vor, dass ihre Freundschaft darin besteht, den anderen peinlich anzuschweigen.

 

Ähnlich ist es bei Anna und Hakim. Nachdem Hakim mir noch vor zwei Wochen erklärt hat, wie schrecklich männlich er Anna finden würde und wie unangenehm ihre Stimme sei und wie sie in Bars wie eine Prostituierte tanzen würde, scheint er nun ein offizielles Techtelmechtel mit ihr zu haben. So offiziell, dass sie gerade zusammen in Polen bei Annas Familie sind.

 

Während ich anfangs eher traurig war, dass ich während meines Aufenthalts so oft nach Deutschland fahren muss, bin ich inzwischen immer froh, hier heraus zu kommen. Und zum ersten Mal in meinem Leben kann ich das Ende eines Aufenthalts gar nicht mehr abwarten.

 

Natürlich ist der ganze Aufenthalt nicht völlig umsonst. Ich habe immerhin viel Französisch gesprochen und ein bisschen abgenommen. Und vor allem gelernt, dass man irgendwo doch noch echte Freunde hat, mit denen man sich nicht nur übers Wetter unterhalten kann.

 

Am Sonntag zum Beispiel, als ich zusammen mit Katha bei Julia in Bonn war. Gegen 15h setzten wir uns in Julias gemütliches Zimmerchen und fingen an zu plaudern. Zu dem Film, den wir später noch gucken wollten, kam es nie: Wir plapperten durch bis 3 Uhr morgens und hatten immer noch Geschichten auf Lager und waren schon ganz heiser. Unglaublich irre – und unglaublich schön.

14.4.10 13:06
 


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