Summer Dreaming
Bürokraten

Mal wieder brechen „die letzten Tage“ meines Aufenthaltes im schönen Metz an.

 

Übermorgen, um diese Zeit sitze ich schon gelangweilt in der Stadt der Liebe und hoffe darauf, dass der Tag schnell rumgeht und ich endlich mein Praktikum bei der deutschen Botschaft Schrägstrich UNESCO antreten kann.

 

Bis heute zu überleben, war nicht ganz einfach, denn mehrere Male wurde ich in den letzten Tagen und Wochen Opfer der Bürokratie.

 

Fall 1: Stadt Mannheim

 

Um ein Führungszeugnis zu beantragen, dass ich für mein Praktikum bei einer deutschen Behörde wie dem Auswärtigen Amt vorlegen muss, setzte ich mich mit der Stadt Mannheim in Verbindung, bei denen ich noch immer offiziell gemeldet bin.

 

Da ich das Zeugnis nicht persönlich beantragen konnte, da ich physisch überall, aber eigentlich nie in Mannheim anzutreffen bin, setzte ich mich per Email in Kontakt mit einer netten Mitarbeiterin der Stadt und schilderte ihr die Situation.

 

Sie sagte mir, ich könne das Zeugnis nur persönlich beantragen.

 

Nach langem Hin- und her entschied sie sich schließlich doch dafür, mir zu erlauben, es schriftlich zu beantragen. Ich benötigte dafür die Kopie meines Ausweises, ein Anschreiben mit meinem Anliegen, sowie 13 Euro. Letztere durfte ich selbstverständlich nicht bar bezahlen: Man bat mich, der Stadt Mannheim eine Einzugsermächtigung zu meinem Konto auszustellen.

 

Ich dackelte also zur französischen Bank meines Vertrauens. Dort sagte man mir, die Einzugsermächtigung müsse der oder diejenige zur Verfügung stellen, der oder die von meinem Konto abbuchen will. Ich hätte dann nur noch zu unterschreiben.

 

Per Email schrieb ich diese Neuigkeit an die Stadt Mannheim. Die Antwort lautete nach nur wenigen Tagen: Ohne die 13 Euro, können wir Ihnen kein Zeugnis ausstellen.

 

Ich fragte also, ob es denn möglich sei, die 13 Euro zu überweisen. Die Antwort, nach nur wenigen Tagen lautete: Ja!

 

Ich hatte zudem gelesen, dass es möglich wäre, das Zeugnis an eine deutsche Behörde zu schicken, also direkt an die deutsche Botschaft in Paris. In mein Anschreiben bat ich, genau das mit meinem Führungszeugnis zu tun, da ich ja, wie die netten Beamten schon wussten, zur Zeit nicht in Mannheim, sondern in Metz wohnen würde und das Zeugnis in meiner Mannheimer Adresse nicht ankommen würde.

 

Nach etwa einer Woche bekam ich eine Email, in der stand: Leider können Führungszeugnisse nicht ins Ausland geschickt werden.

 

Ich schrieb also zurück und bat darum, das Führungszeugnis ins Auswärtige Amt nach Berlin zu schicken. Nach einigen Tagen lautete die Antwort:

 

Wir können Ihr Führungszeugnis nur an Ihre Mannheimer Adresse schicken. Sonst nirgendwohin.

Wutentbrannt griff ich ausnahmsweise zum Hörer und rief die Mitarbeiterin an, verzweifelt genug, um 53 Cent pro Minute ins deutsche Festnetz hinzublättern. Diese bestätigte erneut, dass es nicht möglich sei, das Führungszeugnis ans Auswärtige Amt zu schicken. Ich widersprach solange, bis sie mir eine berliner Nummer gab: „dann rufen sie doch selbst in Bonn an“. Mein Hinweis, dass es sich um eine berliner Nummer handelte, lies sie völlig kalt – das würde sie nicht glauben.

 

Als ich bei der Nummer anrief, landete ich beim Justizministerium in… Berlin, richtig. Eine freundliche Stimme vom Band erklärte mir, welche Informationen sie mir jeweils zu Verfügung stellen konnte:

 

„Drücken Sie 1 für Gerichtliche Verfahren usw. und endlich: drücken Sie 5 für Polizeiliche Führungszeugnisse.“ Ich drückte 5.

 

„Willkommen bei Polizeiliche Führungszeugnisse. Haben Sie Fragen zum Führungszeugnis, drücken Sie die 1. Haben Sie bereits ein Führungszeugnis angefragt, drücken Sie die 2.“, usw. bis endlich: „Möchten Sie ein Führungszeugnis beantragen, drücken Sie die 5“. Eine Minute kostete noch immer 53 Cent.

 

Endlich drückte ich die 5. Die Stimme sagte: „Wenn Sie ein Führungszeugnis beantragen wollen, wenden Sie sich bitte an das Bürgercenter der Stadt, in der Sie gemeldet sind.“ Tuut, tuut, tuut.

 

Ich rief also wieder in Mannheim an und erklärte der Dame, dass ich ihr die 5 Euro, die mein Gespräch mit dem Computer des Justizministeriums gekostet hatten, in Rechnung stellen würde und verlangte nach ihrem Vorgesetzten.

 

Ich sprach, nach nur weniger Wartezeit von knapp 3 Minuten (1,59 Euro) mit ihrer Cheffin und erklärte ihr die inzwischen schon sehr dringliche Lage. Sie sagte: „Natürlich schicken wir Ihr polizeiliches Führungszeugnis zum Auswärtigen Amt nach Berlin. Ich weiß gar nicht, wo das Problem ist!?“

 

Fall 2: Der DAAD

 

Fast noch am selben Tag, an dem ich die Zusage für mein Praktikum erhalten hatte, bewarb ich mich um ein Kurzstipendium beim DAAD. Im Internet las ich, dass ein Praktikum mindestens 6 Wochen dauern sollte und der Praktikant kein Erasmus Stipendium erhalten dürfe.

 

Natürlich falle ich genau in die Kategorie des letzteren – dies allerdings nur bis zum 30. Juni, denn nur bis zu diesem Datum erhalte ich die lächerliche Summe von 200 Euro monatlich, die mir in Paris nicht weiterhelfen würde.

 

Ich bereitete also meine Unterlagen vor und schrieb einen Brief, in dem stand, dass ich zur Zeit eine Erasmusförderung erhalten würde, diese aber nur bis Juni, sodass ich mein DAAD Stipendium gern für den Monat Juli beantragen würde.

 

Die Antwort eines Herrn Nej lautete: „Leider können Sie das stipendium nicht in Anspruch nehmen, da Sie eine Erasmusförderung erhalten.“

 

Hatte der liebe Herr Nej etwa nicht meine Email gelesen? Ich rief ihn mit erneuten 53 Cent die Minute an und wartete auf eine Erklärung.

 

Nach etwa 10 Minuten stand fest, ich würde das Stipendium erhalten, würde ich das Praktikum verschieben oder die Erasmusförderung absagen.

 

Ich entschied mich für letzteres und schrieb meiner Erasmuskoordinatorin in Mannheim. Diese sagte mir, es wäre kein Problem, die Erasmusförderung für den Monat Mai und Juni abzusagen, sodass ich das DAAD Stipendium in Anspruch nehmen könne. Ich benötigte nur die Unterschrift der Uni Metz, dass ich nicht mehr an der Universität studieren würde.

 

Drei Tage später erhielt ich die Zusage für das Stipendium – mit Vorbehalt. Bis Mitte Juni müsse ich beweisen, dass ich die Erasmusförderung nicht mehr in Anspruch nehme.

 

Fall 3: Universität Metz

 

Vor wenigen Tagen ging ich also mit meinem Certificate of Departure, dass jeder Erasmus Student vor Beendigung seines Semesters unterschreiben lassen muss, zu meiner Erasmuskoordinatorin der Uni Metz.

 

Ich erklärte ihr, dass ich am 9. Mai Metz verlassen würde und bat sie um die Unterschrift.

 

Aber das Semester sei doch noch gar nicht beendet, sagte sie, misstrauisch.

 

Doch, sagte ich, ich habe bereits alle Prüfungen hinter mir. Es fehlt lediglich eine. Diese wird am 17. Mai stattfinden.

 

„In diesem Fall kann ich Ihnen ihren ich leider nicht unterschreiben“, erklärte sie.

 

„Na gut“, räumte ich ein, „dann werde ich eben nicht an der Klausur teilnehmen. Kann ich jetzt bitte die Unterschrift haben?“

 

„Nein“, antwortete sie, „denn dann seh ich Sie nachher am 17. Mai hier auf dem Campus die Klausur schreiben!“

 

„Mein Gott“, schrie ich schon fast, „dann unterschreibe ich Ihnen eben, dass ich am 17. Mai nicht die Klausur schreiben werde!“

 

„Aber dann fallen Sie in diesem Fach durch“, drohte sie mir.

 

„Ja, das Risiko muss ich wohl eingehen“, genervt, wie ich war.

 

„Aber dann müssen Sie die Erasmus Fördrung zurückbezahlen“, sagte sie.

 

Ja, genau das war es, was ich wollte!

 

Trotz allem wollte man mir keine Unterschrift geben. Unmöglich. Ich solle am übernächsten Tag wiederkommen. Dass es dringend war, war der netten Dame egal.

 

Nachdem ich eine Email an den Dozenten geschrieben hatte und ihm mitteilte, dass ich die Klausur nicht mitschreiben würde, nachdem ich noch einmal an das Auslandsamt der Uni Metz geschrieben hatte, nachdem ich noch mal meiner Erasmuskoordinatorin in Mannheim geschrieben hatte, usw. bekam ich gestern endlich die Unterschrift.

 

Ob ich mein Erasmus Stipendium nun wirklich nur für den Monat Mai und Juni ablehnen kann und was Herr Nej dazu sagt, erfahrt ihr nach der nächsten Maus.

 

 

 

7.5.10 20:08
 


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